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Themistios
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Themistios (altgriechisch ÎÎ”ÎŒÎŻÏÏÎčÎżÏ; * um 317; â nach 388) war ein spĂ€tantiker Rhetor, Philosoph und Politiker. Obwohl er kein Christ war, erfreute er sich der Gunst der christlichen römischen Kaiser, die ihn mit wichtigen Aufgaben betrauten. Seine Reden sind wertvolle Quellen fĂŒr die Politik und Geistesgeschichte seiner Zeit. Seine sowohl vom Aristotelismus als auch vom Platonismus geprĂ€gte Philosophie zeigt eine zeittypische Tendenz zur Harmonisierung der Schulrichtungen. In seinen philosophischen Schriften gibt er den Inhalt einzelner Werke des Aristoteles wieder, wobei er ihn didaktisch aufbereitet. Diese Paraphrasen erzielten â auch in mittelalterlichen arabischen und lateinischen Ăbersetzungen â eine starke Nachwirkung.
Die Epoche, in der Themistios lebte, war von heftigen religiösen Konflikten geprĂ€gt: Christen und Nichtchristen sowie verfeindete Vertreter verschiedener christlicher Bekenntnisse bekĂ€mpften einander mit wechselndem Erfolg. Ăberdies wurde das Römische Reich durch die beginnende Völkerwanderung herausgefordert. Themistios sah seine Aufgabe als Philosoph und Redner darin, sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen und seine Position im Diskurs der EntscheidungstrĂ€ger zur Geltung zu bringen. Dabei pflegte er im Einvernehmen mit dem jeweils herrschenden Kaiser zu agieren. Sowohl innenpolitisch als auch auĂenpolitisch trat er fĂŒr eine Politik des Interessenausgleichs ein. Sein Konzept religiöser Toleranz hat bis in die Gegenwart viel Beachtung gefunden. Hinsichtlich des Umgangs mit den andrĂ€ngenden fremden Völkerschaften war er der Meinung, dass es möglich und wĂŒnschenswert sei, sie zu romanisieren und zu integrieren. Eine solche Politik hielt er fĂŒr zukunftstrĂ€chtiger als die BeschrĂ€nkung auf militĂ€rische Abwehr.
Contents
âą Leben
âą Werke
âą Reden
âą Sonstige Werke
âą Lehre
âą Logik
âą Rezeption
⹠SpÀtantike
âą Mittelalter
âą Neuzeit
âą Textausgaben
âą Hilfsmittel
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Leben
Herkunft, Kindheit und Jugend
Themistios wurde um 317 wahrscheinlich auf einem Landgut seines Vaters in Paphlagonien geboren, nicht â wie manche Forscher vermutet haben â in Byzantion, dem spĂ€teren Konstantinopel.cite-ref-1[1] Er stammte aus einer wohlhabenden paphlagonischen Philosophenfamilie und hatte mehrere BrĂŒder. Schon sein nicht namentlich bekannter GroĂvater war als Philosoph hervorgetreten und von Kaiser Diokletian, an dessen Hof er sich aufhielt, geschĂ€tzt und begĂŒnstigt worden. Der Vater, Eugenios, war ein Neuplatoniker. Eugenios war nach seinem Studium, das er wohl beim berĂŒhmten Neuplatoniker Iamblichos von Chalkis absolviert hatte, als Philosophielehrer tĂ€tig.cite-ref-2[2] Er legte die Schriften des Aristoteles aus und bemĂŒhte sich, seinen SchĂŒlern dunkle Stellen verstĂ€ndlich zu machen, denn er hielt den Aristotelismus fĂŒr eine hervorragende EinfĂŒhrung in den Platonismus. Daneben behandelte er im Unterricht auch Werke bedeutender griechischer Dichter, hauptsĂ€chlich die Epen Homers, denen er einen wertvollen philosophischen Gehalt zuschrieb.
Eugenios sorgte dafĂŒr, dass Themistios eine umfassende philosophische, grammatische und rhetorische Ausbildung erhielt. Er selbst erteilte ihm Philosophieunterricht; als Grammatiklehrer stellte er anscheinend Flavius Antonius Hierocles an.cite-ref-3[3] Ob Themistios seine Jugend vorwiegend in Konstantinopel oder in der paphlagonischen Heimat seiner Familie verbrachte, geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor. Seine Ausbildung erhielt er in seiner griechischen Muttersprache; die FĂ€higkeit, sich auf vergleichbarem Niveau lateinisch auszudrĂŒcken, hat er nie erworben.cite-ref-4[4] FĂŒr die rhetorische Schulung schickte Eugenios seinen Sohn zu einem Rhetoriker in einer kleinen Stadt am Schwarzen Meer in der NĂ€he des Flusses Phasis (heute Rioni).
FrĂŒhe LehrtĂ€tigkeit und FamiliengrĂŒndung
Themistios eignete sich das Bildungskonzept seines Vaters an; in den vierziger Jahren begann er, selbst in Konstantinopel Philosophieunterricht zu erteilen. Um 340 heiratete er seine erste Frau, die Tochter eines Philosophen. Mit ihr hatte er Kinder, darunter einen Sohn, der ebenfalls Themistios hieĂ. Dieser Sohn besuchte spĂ€ter den Unterricht des berĂŒhmten Redners Libanios in Antiochia am Orontes, starb aber bereits 357.
Schon als junger Mann erwarb sich Themistios einen ausgezeichneten fachlichen Ruf und begann mit der Abfassung seiner Paraphrasen von Schriften des Aristoteles. Sein Ruhm als Lehrer und Aristoteles-Kommentator brachte ihm zahlreiche SchĂŒler ein, die in die Hauptstadt kamen, um ihn zu hören. Er schloss Freundschaft mit Libanios, der damals in Konstantinopel lebte; allerdings wurde das VerhĂ€ltnis der beiden Redner spĂ€ter durch Meinungsverschiedenheiten und RivalitĂ€t getrĂŒbt.
Politische Karriere unter Kaiser Constantius II.
Gefördert wurde Themistios vom Offizier Flavius Saturninus, dessen Tugenden und diplomatisches Geschick er spĂ€ter in seiner 16. Staatsrede wĂŒrdigte. Es war wohl Saturninus, der ihn am Kaiserhof einfĂŒhrte. Ins politische Rampenlicht trat Themistios mit der ersten seiner Staatsreden, die er 350 oder 351 in Konstantinopel oder in Ancyra zur Verherrlichung der Philanthropie des Kaisers Constantius II. hielt.cite-ref-erste-rede-5-0[5] Bald erlangte er eine einflussreiche Stellung. Es fehlte aber nicht an Neidern und Gegnern; deren Feindseligkeit dĂŒrfte zu den Motiven gehört haben, die ihn dazu bewogen, ernsthaft ĂŒber eine Ăbersiedlung nach Antiochia nachzudenken, von wo er ein attraktives Angebot erhalten hatte.cite-ref-6[6] Vermutlich um seinen Wegzug aus Konstantinopel zu verhindern, berief ihn Constantius II. 355 in den Senat der Hauptstadt. DafĂŒr bedankte sich der Geehrte im November 355 mit seiner zweiten Staatsrede.
Im FrĂŒhjahr 357 begab sich Themistios als Gesandter des Senats von Konstantinopel nach Rom, um Constantius II., der dort einen militĂ€rischen Erfolg und vielleicht auch sein zwanzigjĂ€hriges HerrschaftsjubilĂ€um feierte, in einer Rede zu preisen und ihm einen goldenen Kranz zu ĂŒberreichen.cite-ref-7[7] Sein Auftreten hinterlieĂ in Rom einen so tiefen Eindruck, dass man ihn vergeblich zu dauerhaftem Bleiben zu ĂŒberreden versuchte. Ein wichtiger Nebeneffekt war, dass Themistios bei dieser Gelegenheit den Kaiser dazu bewegen konnte, die frĂŒher verfĂŒgte Halbierung der fĂŒr Konstantinopel vorgesehenen Annona (Lebensmittellieferung zur Verteilung an die Bevölkerung) rĂŒckgĂ€ngig zu machen. Dieser Erfolg erhöhte sein Ansehen in der Hauptstadt betrĂ€chtlich.cite-ref-8[8]
Constantius sah in Themistios eine herausragende Persönlichkeit. Er beauftragte ihn mit der VergröĂerung der Zahl der Senatoren, um das Ansehen der Stadt, die Constantiusâ Vater Konstantin der GroĂe gegrĂŒndet und zur neuen Reichshauptstadt erhoben hatte, auch in personeller Hinsicht zu heben. FĂŒr diese Aufgabe eignete sich Themistios auch deswegen, weil ihm der Glanz Konstantinopels ein Herzensanliegen war. Er hielt die stĂ€dtebauliche und kulturelle Förderung der Hauptstadt fĂŒr eine der wichtigsten Aufgaben des Kaisers; als Redner wĂŒrdigte er Constantiusâ Leistungen auf diesem Gebiet eingehend. Seinen eigenen, hinsichtlich seiner Rolle wohl ĂŒbertriebenen Angaben zufolge sorgte Themistios dafĂŒr, dass die Zahl der Senatsmitglieder von weniger als 300 auf 2000 anstieg.cite-ref-9[9] Auch falls diese Behauptung nicht zutreffen sollte, ist doch davon auszugehen, dass in der Folgezeit zahlreiche Senatoren ihm persönlich ihr Amt verdankten. Unter diesen UmstĂ€nden war es naheliegend, dass er zum angesehensten Senatsmitglied wurde; seine wohl informelle Sonderstellung im Senat bezeichnete er selbst als prostasĂa (Vorrang, Leitung).cite-ref-10[10] Verdienste um das Kulturleben erwarb er sich, indem er den Zuzug von Gelehrten nach Konstantinopel förderte.cite-ref-11[11]
Verschiedentlich ist angenommen worden, dass sich seine herausragende Rolle bereits in diesem Zeitraum auch dadurch zeigte, dass ihm ein hohes Amt formell ĂŒbertragen wurde. Nach einer von manchen Forschern vertretenen Hypothese war er der letzte Prokonsul von Konstantinopel, bevor Constantius das Amt des Prokonsuls im Jahr 359 abschaffte und es durch das eines StadtprĂ€fekten (praefectus urbi) ersetzte, womit er die Gleichstellung Konstantinopels und Roms verdeutlichte. Die gegenteilige Forschungsmeinung lautet, Constantius habe das Amt des Prokonsuls zunĂ€chst Themistios angeboten und dann, als dieser es ablehnte, anderweitig darĂŒber verfĂŒgt.cite-ref-12[12] Jedenfalls war Constantius mit dem Wirken des Themistios sehr zufrieden, was er unter anderem dadurch zeigte, dass er den Philosophen im Herbst 359 an seine Tafel bat.
Allerdings war Themistios trotz seiner einflussreichen Stellung in Konstantinopel und trotz der Gunst des Kaisers in den fĂŒnfziger Jahren auch heftiger Kritik ausgesetzt. Der Konflikt mit seinen Kritikern wurde öffentlich ausgetragen, wobei er auch vor groĂen Volksmengen als Redner aufzutreten pflegte. Von der SchĂ€rfe der Auseinandersetzung zeugen seine Reden 23, 26 und 29, in denen er sich gegen VorwĂŒrfe zur Wehr setzte, die seine persönliche IntegritĂ€t betrafen. Seine Gegner behaupteten, er strebe nach dem Applaus der Menge, zeige eine Ruhmsucht, die eines Philosophen unwĂŒrdig sei, und locke mit materiellen VergĂŒnstigungen SchĂŒler an. Daher sei er in Wahrheit kein Philosoph, sondern lediglich ein Sophist.cite-ref-13[13] Die Bezeichnung âSophistâ, die durch Platons Kritik an der Sophistik in Misskredit geraten war, wurde in der Römischen Kaiserzeit zwar auch wertneutral verwendet, doch bei Themistios war sie wie bei seinen Gegnern abwertend gemeint. FĂŒr ihn verband sich damit die Vorstellung eines mit philosophischer Unterweisung verbundenen Gewinnstrebens, das er fĂŒr unwĂŒrdig hielt. Seine finanzielle UnabhĂ€ngigkeit ermöglichte ihm den Verzicht auf UnterrichtsgebĂŒhren, worauf er stolz war. Er unterstĂŒtzte sogar seinerseits arme SchĂŒler.
AktivitÀt unter den Kaisern Julian und Jovian
Die Deutung der Quellenaussagen zum VerhĂ€ltnis zwischen Themistios und Constantiusâ Nachfolger Julian ist in der Forschung umstritten. Sicher ist, dass Themistios Julian einen Brief sandte, in dem er ihm seine Auffassung von den Pflichten eines philosophisch gesinnten Herrschers darlegte. Der Brief ist verloren, doch Julians Antwort ist erhalten. Strittig ist, ob Julian seinen Antwortbrief schon 356 schrieb, als er sich noch als Caesar in Gallien aufhielt, oder erst nach seiner MachtĂŒbernahme (Ende 361), in diesem Fall vielleicht als Reaktion auf ein GlĂŒckwunschschreiben des Themistios anlĂ€sslich des Regierungsantritts.cite-ref-15[15] Obwohl beide zu den AnhĂ€ngern der alten Religion gehörten und einander respektierten, trennten sie philosophische Meinungsverschiedenheiten.cite-ref-16[16] Am Hof Julians spielte Themistios keine prominente Rolle. Vermutlich 363 verfasste er einen Panegyrikus auf den Kaiser, doch erhielt er möglicherweise keine Gelegenheit, die Lobrede zu halten, da Julian auf seinem Feldzug gegen die Perser starb.cite-ref-17[17]
In der Forschung ist vermutet worden, Themistiosâ VerhĂ€ltnis zu Julians Nachfolger Jovian sei zunĂ€chst distanziert gewesen. Den Anlass zu dieser Annahme bot die von Libanios mitgeteilte Nachricht, der Senat habe Themistios gebeten, sich mit einer Gesandtschaft, die dem neuen Kaiser zu seinem Regierungsantritt gratulieren sollte, nach Antiochia zu begeben, doch habe er diese Bitte abgeschlagen. TatsĂ€chlich gehörte er der Gesandtschaft nicht an, doch die GlaubwĂŒrdigkeit der Darstellung des Libanios gilt als zweifelhaft.cite-ref-18[18] Zum Jahresbeginn 364 hielt Themistios auf Wunsch des Kaisers eine Rede anlĂ€sslich des Konsulatsantritts von Jovian und dessen noch nicht einjĂ€hrigem Sohn Varronian. Darin pries er die religiöse Toleranz, womit er fĂŒr einen zentralen Punkt von Jovians Regierungsprogramm warb. Indirekt kritisierte er seine Marginalisierung unter Julian, indem er Jovian dafĂŒr dankte, dass er âdie Philosophieâ wieder an den Hof gefĂŒhrt habe.cite-ref-19[19] Offenbar fand er die WertschĂ€tzung des neuen Herrschers und stellte sich voll in dessen Dienst. Allerdings starb Jovian bereits im Februar 364, nachdem er nur einen Winter lang regiert hatte.
Glanzzeit unter Valens und Theodosius I.
Im Jahr 364 hielt Themistios in Konstantinopel eine Rede ĂŒber den Sinn der Herrschaftsteilung zwischen Jovians Nachfolgern, den BrĂŒdern Valens und Valentinian I. Unter Valens, der im Osten des Reichs regierte, steigerte sich sein politischer Einfluss weiter. So erwĂ€hnt Themistios, dass der Kaiser seinen Rat zu beherzigen pflegte.cite-ref-20[20] Er bot sich als Erzieher fĂŒr Valensâ jungen Sohn Valentinianus Galates an, wobei er einen Vergleich mit Alexander dem GroĂen und dessen Lehrer Aristoteles zog. Der frĂŒhe Tod des Kaisersohns machte diese Hoffnung zunichte. 366 oder 367 pries Themistios in einer Rede vor dem Senat, die er einige Monate nach der Niederschlagung der Rebellion des Gegenkaisers Procopius hielt, die Milde des siegreichen Kaisers Valens, obwohl Valens in Wirklichkeit nach seinem Sieg mit groĂer HĂ€rte gegen Oppositionelle und VerdĂ€chtige vorgegangen war. Damit signalisierte der Redner seinem Publikum im Auftrag des Kaisers, dass die VerfolgungsmaĂnahmen nun beendet waren.
Zum fĂŒnfjĂ€hrigen und zum zehnjĂ€hrigen HerrschaftsjubilĂ€um des Valens hielt Themistios die Festrede. Allerdings konnte Valens seinen AusfĂŒhrungen nicht folgen, denn der Kaiser verfĂŒgte auch nach langjĂ€hrigem Aufenthalt im Osten des Reichs nicht ĂŒber ausreichende Griechischkenntnisse.cite-ref-21[21] 376 sandte ihn Valens zu Kaiser Gratian nach Gallien, offenbar in einer diplomatischen Mission, vermutlich zur Vorbereitung eines von Valens gewĂŒnschten Treffens der beiden Kaiser.cite-ref-22[22]
Der Umstand, dass Themistios an der alten Religion festhielt, scheint ihm nicht geschadet zu haben. Er durfte sogar in einer (nicht erhaltenen) Rede in Antiochia den christlichen Kaiser zu mehr religiöser Toleranz ermahnen. Dabei ging es um einen Konflikt der Christen untereinander; Themistios bat Valens, der Arianer war, um gröĂere Duldsamkeit gegenĂŒber den AnhĂ€ngern des Bekenntnisses von NicĂ€a. Wahrscheinlich handelte er dabei im Einvernehmen mit Valens, dem er auf diese Weise Argumente fĂŒr einen bereits geplanten Kurswechsel lieferte.cite-ref-23[23] In der achten Rede setzte er sich fĂŒr ein schonenderes Vorgehen bei der Steuereintreibung ein und wĂŒrdigte die diesbezĂŒglich bereits erreichten Fortschritte.cite-ref-24[24]
Auch zu Kaiser Theodosius I. baute Themistios ein sehr gutes VerhĂ€ltnis auf. Seine Aufgabe war weiterhin, in Reden den Herrscher zu verherrlichen und zugleich dessen Kurs der FĂŒhrungsschicht des Reichs plausibel zu machen. So rĂŒhmte er 383 in seiner 16. Rede den Vertrag, den Theodosius mit den Donaugoten abgeschlossen hatte, als Frucht einer klugen, weitsichtigen Politik. Offenbar sollten Skeptiker unter den Senatoren davon ĂŒberzeugt werden, dass dieser Vertrag, der die Ansiedlung der Goten im Reichsgebiet legitimierte, faktisch einem römischen Sieg gleichkam.cite-ref-25[25] Als auĂerordentlichen Erfolg wertete es Themistios, dass er zum Erzieher des Kaisersohnes Arcadius bestellt wurde. Das kaiserliche Wohlwollen zeigte sich auch darin, dass ihn Theodosius 383 oder 384 zum StadtprĂ€fekten von Konstantinopel ernannte.cite-ref-26[26] Diese Beförderung in eines der höchsten StaatsĂ€mter brachte ihm allerdings wie schon unter Constantius II. Anfeindungen ein. Die Gegner kritisierten, dass er seine UnabhĂ€ngigkeit als Philosoph seinem Machtwillen geopfert habe. Der Dichter Palladas verhöhnte ihn in einem Epigramm; in der neueren Forschung wurden jedoch Argumente vorgebracht, dass diese oft angenommene Zuschreibung falsch ist und Palladas vielmehr im frĂŒhen 4. Jahrhundert gelebt hat.cite-ref-27[27] Jedenfalls gab der Umstand, dass Themistios das Amt schon nach wenigen Monaten niederlegte, zu Zweifeln an der Ernsthaftigkeit seines Engagements Anlass.cite-ref-28[28] Es wurde auch behauptet, er habe sich im Amt nicht bewĂ€hrt. Dagegen verteidigte er sich in der 31. und der 34. Rede. Schon die 17. Rede, in der er dem Kaiser fĂŒr die Ernennung dankte, ist in defensivem Ton gehalten und zeigt sein BedĂŒrfnis, sich zu rechtfertigen. In seiner Verteidigung gegen die Kritik berief sich Themistios auf seine frĂŒheren Verdienste; auf konkrete VorwĂŒrfe hinsichtlich seiner AmtsfĂŒhrung als StadtprĂ€fekt ging er nicht ein.
Aus einem Brief des Libanios geht hervor, dass Themistios 388 noch am Leben war. Da er in der spÀteren Korrespondenz des Libanios nicht mehr auftaucht, wird vermutet, dass er bald darauf gestorben ist. Das Gewicht dieses Arguments wird jedoch dadurch eingeschrÀnkt, dass damals zwischen den beiden Rhetoren kein enges FreundschaftsverhÀltnis bestand.
Werke
Themistios sah seine Aufgabe darin, philosophische Lehren in sprachlich schöner Form zu prĂ€sentieren. Dieses Anliegen verfolgte er sowohl in seinen philosophischen Fachschriften als auch in seinen Reden. Er wollte Philosophie und Rhetorik, deren VerhĂ€ltnis im Platonismus traditionell problematisiert wurde, miteinander verbinden; nach seinem SelbstverstĂ€ndnis war er Philosoph und Redner, die Bezeichnung als Sophist wies er aber ausdrĂŒcklich zurĂŒck.
Aristoteles-Paraphrasen
Die Paraphrasen (Inhaltswiedergaben) von Schriften des Aristoteles sind nicht als Kommentare im ĂŒblichen Sinn gedacht, sondern Themistios prĂ€sentiert nur den Stoff in didaktisch aufbereiteter Form, um ihn verstĂ€ndlicher zu machen. Zu diesem Zweck fasst er die Gedanken des Aristoteles zusammen und bemĂŒht sich bei schwierigen Passagen um Verdeutlichung. Einerseits strafft er die AusfĂŒhrungen des Aristoteles, andererseits erweitert er betrĂ€chtlich und fĂŒgt Exkurse ĂŒber einzelne Fragen ein. Auch mit der Problematik inhaltlich relevanter Unterschiede in der handschriftlichen TextĂŒberlieferung setzt er sich auseinander. Kritik an Aristoteles scheut er nicht. Der Begriff Paraphrasen, den Themistios selbst nicht verwendet hat, wurde schon in der Antike gebrĂ€uchlich.
Die Paraphrasen sind nur teilweise erhalten, zum Teil nur in hebrĂ€ischer Ăbersetzung. Im griechischen Original erhalten sind die Paraphrasen der Analytica posteriora, der Physik und der Schrift De anima. Der Paraphrase der Analytica posteriora ist eine Einleitung mit grundsĂ€tzlichen AusfĂŒhrungen zur paraphrastischen Methode vorangestellt. Nur in hebrĂ€ischer Ăbersetzung liegt die Paraphrase von De caelo vor. Von der Paraphrase des zwölften Buches der Metaphysik sind auĂer einer hebrĂ€ischen Ăbersetzung auch Fragmente einer arabischen sowie griechische Exzerpte in Aristoteles-Scholien erhalten. Von der Paraphrase der Analytica priora sind nur hebrĂ€ische AuszĂŒge ĂŒberliefert. Verloren sind Paraphrasen der Kategorien und der Topik. In der mittelalterlichen arabischen Literatur finden sich Hinweise auf weitere Aristoteles-Paraphrasen des Themistios; die GlaubwĂŒrdigkeit dieser Angaben ist aber zweifelhaft, da es an anderweitigen Belegen fehlt. Die unter Themistiosâ Namen ĂŒberlieferten griechischen Texte von Paraphrasen der Parva naturalia und der Analytica priora sind unecht; sie sind erst im SpĂ€tmittelalter entstanden.
Reden
Von Themistiosâ Reden, die er teils vor Kaisern und hohen WĂŒrdentrĂ€gern, teils in privatem Kreise hielt, haben sich 33 im griechischen Original erhalten. Der byzantinische Gelehrte Photios (9. Jahrhundert) teilt mit, ihm seien 36 âpolitische Redenâ bekannt gewesen. Als âStaatsredenâ bezeichnet man die Reden 1â11 und 13â19; bei der Rede, die traditionell als zwölfte gezĂ€hlt wird, handelt es sich um eine FĂ€lschung aus dem 16. Jahrhundert. Weitere in den Quellen bezeugte Staatsreden sind verloren. Die Reden 20â34 bilden die Gruppe der âprivatenâ Reden; sie sind zwar auch fĂŒr die Ăffentlichkeit bestimmt und behandeln teilweise politische Angelegenheiten, doch weisen sie einen weniger offiziellen Charakter auf als die Staatsreden. Hierzu gehören unter anderem die Grabrede auf Themistiosâ Vater und einige Reden, die der Verteidigung gegen persönliche Kritik dienen. Die âPrivatredenâ 23 und 33 und vielleicht auch 28 sind unvollstĂ€ndig ĂŒberliefert.
In den Staatsreden pflegt Themistios den jeweiligen Herrscher zu preisen und zugleich dessen aktuelle MaĂnahmen und Absichten darzulegen und zu erlĂ€utern. Daher spiegeln die Reden weitgehend die Regierungspolitik. In manchen FĂ€llen tritt er als WortfĂŒhrer der Senatoren und ReprĂ€sentant Konstantinopels auf. Nebenbei bringt er auch seine persönlichen Anliegen zur Geltung. Anzeichen fĂŒr Opportunismus sind deutlich erkennbar; die wĂ€hrend ihrer Regierungszeit verherrlichten Herrscher werden in nach ihrem Tod gehaltenen Reden kritisiert.cite-ref-29[29]
Bei den Staatsreden handelt es sich um die folgenden:
âą Rede 1 âĂber die Philanthropie oder Constantiusâ (350 oder 351),cite-ref-erste-rede-5-1[5] gehalten in Konstantinopel oder Ancyra vor Constantius II. Der Anlass ist möglicherweise eine Amnestie fĂŒr AnhĂ€nger des Gegenkaisers Magnentius, die dem Redner Gelegenheit bietet, die philosophische Haltung des Kaisers zu rĂŒhmen. Jedenfalls fĂŒhrt sich Themistios bei Constantius ein und wirbt fĂŒr seine politische Philosophie.
âą Rede 2 âDass der Kaiser am ehesten ein Philosoph sei, oder Dankredeâ (November 355),cite-ref-30[30] gehalten in Konstantinopel vor dem Senat, dann an den Hof Constantiusâ II. nach Mailand geschickt. Themistios dankt fĂŒr seine Ernennung zum Senator, die Constantius dem Senat in einem fĂŒr den Redner schmeichelhaften Brief mitgeteilt hat.
âą Rede 3 (April/Mai 357), gehalten in Rom vor Constantius II. im Auftrag des Senats von Konstantinopel. Themistios ĂŒberbringt dem Herrscher anlĂ€sslich einer Feier ein Geschenk.
âą Rede 4 (wohl 357 oder 358),cite-ref-31[31] gehalten in Konstantinopel vor dem Senat anlĂ€sslich einer Feier fĂŒr Constantius II.
âą Rede 6 âDie Geschwisterliebenden oder Ăber die Philanthropieâ (364), gehalten in Konstantinopel vor dem Senat und Kaiser Valens. Der Anlass ist die Herrschaftsteilung zwischen Valentinian I. und Valens, von deren ZweckmĂ€Ăigkeit die Senatoren ĂŒberzeugt werden sollen.cite-ref-33[33]
âą Rede 7 âĂber die unter Valens ins UnglĂŒck Geratenenâ (366 oder 367), gehalten vermutlich in Konstantinopel vor dem Senat und Kaiser Valens. Der Anlass ist das Ende der MaĂnahmen des Kaisers gegen AnhĂ€nger des besiegten Gegenkaisers Procopius.cite-ref-34[34]
âą Rede 8 (368 oder 369, wahrscheinlich 368), gehalten in Marcianopolis vor Kaiser Valens anlĂ€sslich der Feier des fĂŒnfjĂ€hrigen RegierungsjubilĂ€ums. Themistios gibt dem Publikum zu verstehen, dass Valens den kostspieligen Krieg gegen die Goten bald beenden will.
âą Rede 9 (1. Januar 369), wahrscheinlich in Marcianopolis im Winterlager des Kaisers Valens gehalten. Nach einer abweichenden, unzureichend begrĂŒndeten Forschungsmeinung wurde die Rede nicht gehalten, sondern dem Kaiser nur ĂŒbersandt.cite-ref-35[35] Der Anlass ist der Konsulatsantritt des noch nicht dreijĂ€hrigen Kaisersohns Valentinianus Galates.
âą Rede 10 âĂber den Friedenâ (369 oder 370),cite-ref-36[36] gehalten vor Kaiser Valens, wahrscheinlich im Senat von Konstantinopel, anlĂ€sslich des Friedensschlusses mit den Goten.
âą Rede 11 âZum zehnjĂ€hrigen RegierungsjubilĂ€um oder Ăber die Reden, die sich gegenĂŒber dem Kaiser ziemenâ (373 oder 374), gehalten vor Kaiser Valens, wahrscheinlich in Antiochia, anlĂ€sslich des zehnjĂ€hrigen RegierungsjubilĂ€ums des Herrschers.
âą Rede 13 âĂber die Liebe oder Ăber die königliche Schönheitâ (376), gehalten vor Kaiser Gratian, an dessen Hof sich Themistios in einer diplomatischen Mission begeben hat.cite-ref-37[37]
âą Rede 14 (FrĂŒhjahr/Sommer 379), gehalten vor Kaiser Theodosius I., wahrscheinlich in Thessalonike, im Auftrag des Senats von Konstantinopel, der dem neuen Kaiser seine LoyalitĂ€t versichern lĂ€sst.cite-ref-38[38]
âą Rede 15 âWelche ist die königlichste der Tugenden?â (Januar 381), gehalten in Konstantinopel vor Kaiser Theodosius I. und dem Senat. Themistios vertritt die Ăberzeugung, eine von Gerechtigkeit und HumanitĂ€t geprĂ€gte Innenpolitik sei vordringlicher als militĂ€rische Erfolge bei der Abwehr Ă€uĂerer Feinde, denn ein gut verwalteter, von einem tugendhaften Herrscher regierter Staat sei notwendigerweise auch militĂ€risch ĂŒberlegen.cite-ref-39[39]
âą Rede 16 (1. Januar 383), gehalten in Konstantinopel vor Kaiser Theodosius I. und dem Senat. Der Anlass ist der Friedensschluss mit den Goten und der Konsulatsantritt von Themistiosâ Freund und Gönner Saturninus, der als Kommandeur am Gotenkrieg teilgenommen hat und an dessen Beendigung maĂgeblich beteiligt war. Themistios versucht Skeptiker davon zu ĂŒberzeugen, dass der Frieden notwendig, sinnvoll und ein römischer Erfolg sei.cite-ref-40[40]
âą Rede 17 âĂber die Ernennung zum StadtprĂ€fektenâ (383 oder 384), gehalten in Konstantinopel vor dem Senat. Themistios dankt fĂŒr die Ernennung, rĂŒhmt den Kaiser und rechtfertigt seine â offenbar umstrittene â Entscheidung, das Amt anzutreten.
âą Rede 18 âĂber die Bereitschaft des Kaisers zuzuhörenâ (wahrscheinlich Anfang 384, spĂ€testens Anfang 385),cite-ref-41[41] gehalten in Konstantinopel vor Kaiser Theodosius I. und dem Senat.
âą Rede 19 âĂber die Philanthropie des Kaisers Theodosiusâ (wahrscheinlich 383 oder 384, spĂ€testens 387),cite-ref-42[42] gehalten in Konstantinopel vor Kaiser Theodosius I. und dem Senat. Der Anlass ist die Begnadigung von Personen, die wegen Hochverrat verurteilt worden waren; Themistios nutzt die Gelegenheit, die humane Gesinnung des Herrschers zu rĂŒhmen.
Sonstige Werke
Im 9. Jahrhundert berichtet Photios von Platon-Kommentaren des Themistios, von denen ansonsten nichts bekannt ist. Dabei scheint es sich um ein MissverstĂ€ndnis zu handeln.cite-ref-43[43] Auch eine Mitteilung des Photios, wonach Themistios neben den Paraphrasen auch Aristoteles-Kommentare im traditionellen Sinn verfasste, dĂŒrfte auf einem Irrtum beruhen.cite-ref-44[44]
Erst 1985 wurde ein Fragment âAn den Kaiserâ entdeckt; der Text, der das VerhĂ€ltnis des Herrschers zu Gott behandelt, ist an einen nicht genannten Kaiser â vermutlich Theodosius I. â gerichtet.cite-ref-45[45]
Themistios verfasste ein Werk âĂber die Tugendâ (Peri aretážs, nur in einer syrischen Fassung aus dem 6. Jahrhundert erhalten) und eines âĂber die Seeleâ (Peri psychážs, bis auf Fragmente bei Johannes Stobaios, deren Echtheit umstritten ist, verloren). Vielleicht handelte es sich dabei ursprĂŒnglich nicht um Abhandlungen, sondern um Reden. Nicht erhalten geblieben sind seine Briefe, darunter insbesondere die an Libanios gerichteten. Nur in einer arabischen Ăbersetzung ĂŒberliefert ist eine Abhandlung ĂŒber die Syllogistik.
Ebenfalls nur in einer arabischen Ăbersetzung, die auf einer syrischen Ăbersetzung aus dem Griechischen fuĂt, ist ein Werk âĂber die Regierung des Staatesâ erhalten, als dessen Verfasser Themistios genannt wird. Wahrscheinlich war es fĂŒr Theodosius I. bestimmt. Das in der Forschung unter seiner arabischen Bezeichnung risÄlat bekannte Werk war vielleicht ursprĂŒnglich eine Abhandlung in Briefform.cite-ref-46[46] Eine nur arabisch ĂŒberlieferte, Themistios zugeschriebene Epitome aus den zoologischen Werken des Aristoteles ist sicher unecht.cite-ref-47[47]
Lehre
In seiner Philosophie verbindet Themistios auf zeittypische Weise aristotelische und platonische Elemente; er ist vom Einklang dieser beiden Richtungen ĂŒberzeugt. Spezifisch neuplatonischer Einfluss macht sich bei ihm verschiedentlich bemerkbar, dominiert jedoch nicht. Inwieweit Themistios als Neuplatoniker zu betrachten und wie in seinem Denken der platonische und der aristotelische Einfluss zu gewichten ist, ist in der Forschung umstritten. Manche Philosophiehistoriker betrachten ihn nicht als Neuplatoniker, sondern in erster Linie als Aristoteliker;cite-ref-48[48] andere plĂ€dieren fĂŒr eine stĂ€rkere Gewichtung der neuplatonischen Aspekte seines Denkens.cite-ref-49[49] John Vanderspoel rĂŒckt ihn in die NĂ€he des spĂ€ten Mittelplatonismus.cite-ref-50[50]
Politische Philosophie und Ethik
Ein zentrales Anliegen des Themistios ist die Umsetzung philosophischer Lehren in der Praxis durch Teilnahme am politischen Leben. Das Handeln des Staatsmanns hat fĂŒr ihn Vorrang gegenĂŒber einem rein kontemplativen philosophischen Leben. Darin unterscheidet sich seine Haltung von derjenigen Kaiser Julians und spĂ€tantiker Neuplatoniker, die dem Erkenntnisstreben einen höheren Rang zuweisen als der politischen AktivitĂ€t. Er sieht die Hauptaufgabe des Philosophen in der Beratung des Herrschers und Einflussnahme auf die Politik im Sinne seiner GrundsĂ€tze. Nach Themistiosâ Ansicht sind die Voraussetzungen dafĂŒr unter den zeitgenössischen VerhĂ€ltnissen gĂŒnstiger als in der Zeit des Sokrates. Seine EinschĂ€tzung der politischen Einflussmöglichkeiten eines Denkers, der zugleich Redner ist, zeugt von einer ausgeprĂ€gt optimistischen Einstellung. Die religiösen Spannungen können diesen Optimismus nicht erschĂŒttern, obwohl er sich zu einer angefeindeten Religion bekennt, deren AnhĂ€nger zunehmend aus Machtpositionen verdrĂ€ngt werden.cite-ref-51[51] Mit seiner Rolle als Vertreter der Philosophie in der Welt der Politik identifiziert er sich so stark, dass er oft den Begriff âdie Philosophieâ als Selbstbezeichnung verwendet.
Der Herrscher (König oder Kaiser) ist fĂŒr Themistios ein Vertreter der Gottheit. Seine Aufgabe ist â womit Themistios eine berĂŒhmte Forderung Platons aufgreift â die Angleichung an Gott, soweit dies möglich ist. Damit wird seine Regierung zum Abbild der kosmischen Herrschaft Gottes. Diesem Ziel nĂ€hert er sich durch seine Tugenden, unter denen Themistios die Philanthropie als herausragende Herrschertugend hervorhebt.cite-ref-52[52] Zur Bezeichnung der göttlichen Instanz verwendet Themistios den Begriff âGottâ (theĂłs), wobei er sich so ausdrĂŒckt, dass Christen ebenso wie AnhĂ€nger der griechischen Religion seine Aussagen in den Kontext ihrer jeweiligen religiösen Bezugssysteme einordnen können.
Die Philanthropie verbindet alle Tugenden des Herrschers zu einer Einheit. Auch andere spĂ€tantike Schriftsteller wĂŒrdigen die Philanthropie, doch Themistios ist der einzige, der sie in den Mittelpunkt seiner politischen Philosophie stellt. Er versteht darunter eine Menschenfreundlichkeit, die sich insbesondere in der Milde gegenĂŒber StraftĂ€tern und besiegten Feinden zeigt. Sie beschrĂ€nkt sich nicht auf Angehörige des eigenen Volkes, sondern erstreckt sich auf die gesamte Menschheit. Damit soll der Herrscher konsequent dem Vorbild der Gottheit folgen, die fĂŒr alle Menschen gleichermaĂen zustĂ€ndig ist. Themistios verweist auf Homer, der Zeus als Vater der Götter und der Menschen bezeichnet hat. In diesem Sinne solle auch der Kaiser sich als âVaterâ nicht nur der Römer, sondern auch der Skythen betrachten. Mit dem Begriff âSkythenâ meint Themistios hier die aus römischer Sicht barbarischen, feindlichen Völker. Indem er fordert, sie in die philanthropische kaiserliche FĂŒrsorge einzubeziehen, bekennt er sich zugleich indirekt zum römischen Weltherrschaftsanspruch. Er vertraut auf die Assimilationskraft der römischen Zivilisation, die in der Lage sei, unzivilisierte Völker zu zĂ€hmen und aus Barbaren Römer zu machen. Dies sei in der Vergangenheit geglĂŒckt und werde daher auch mit den Goten gelingen, die nun als Foederaten akzeptiert werden. Die Philanthropie betrachtet Themistios nicht als angeborene Disposition, sondern als Haltung, die sich der Herrscher durch philosophische Bildung anzueignen hat. Zum Erlernen dieser Haltung gehört insbesondere Orientierung an geeigneten historischen Vorbildern.cite-ref-53[53]
Ein besonderes Kennzeichen seines Denkens ist sein Eintreten fĂŒr religiöse Toleranz. Diese Haltung ergibt sich aus seiner Ăberzeugung, dass manche religiöse Fragen jenseits des ZustĂ€ndigkeitsbereichs staatlicher Gesetzgebung liegen. Er argumentiert, es sei sinnlos, einen religiösen Glauben durch staatliche Anordnungen erzwingen zu wollen; damit zĂŒchte man nur Opportunismus. Es gebe verschiedene Wege, die zu Gott fĂŒhren, und Gott selbst gewĂ€hre jedem Menschen die Freiheit, seinen religiösen Weg selbst zu wĂ€hlen; dies habe der Staat zu respektieren. Gott wolle religiöse Vielfalt und freue sich an dieser Mannigfaltigkeit. Es sei der Wettstreit untereinander, der die Menschen zu Anstrengungen motiviere; wer sich nicht an einem Gegner messen könne, verfalle in TrĂ€gheit. Daher sei auch unter den Religionen Konkurrenz wĂŒnschenswert. Die Anlage zur Frömmigkeit sei ein gemeinsames Merkmal aller Menschen, die Art der Gottesverehrung jedoch ergebe sich aus der besonderen Veranlagung einzelner Völker und Individuen, die von Gott so gewollt sei.cite-ref-54[54] In diesem Sinne plĂ€diert er nicht nur fĂŒr ein friedliches Zusammenleben von paganen und christlichen StaatsbĂŒrgern, sondern auch fĂŒr Frieden innerhalb des christlichen Teils der Bevölkerung zwischen Arianern und AnhĂ€ngern des Konzils von NicĂ€a.cite-ref-55[55]
Das Ăbel bzw. das Böse spielt im Denken und Weltbild des Themistios eine relativ geringe Rolle. Er betrachtet den Kosmos als insgesamt gut eingerichtet und von einer fĂŒrsorglichen Gottheit gelenkt. Das Schlechte in der Welt sieht er als bloĂen Mangel. Er fĂŒhrt es einerseits auf die UnzulĂ€nglichkeit der Materie zurĂŒck, andererseits auf menschliche SchwĂ€che, die sich dann bemerkbar mache, wenn es an guter Erziehung fehle. Dagegen helfe eine auf Einsicht und Tugendhaftigkeit zielende Bildung. Die Materie hĂ€lt er nicht fĂŒr an sich schlecht, sondern er meint, dass sie nach dem Göttlichen strebe, dabei aber durch ihre Mangelhaftigkeit behindert werde.cite-ref-56[56]
Intellektlehre und Erkenntnistheorie
In seiner Darstellung von Aristotelesâ Erkenntnistheorie aus De anima 3,4â8 betont Themistios, dass in der aristotelischen Philosophie die âtĂ€tige Vernunftâ zwar eine göttliche Beschaffenheit aufweise, aber nicht â wie Alexander von Aphrodisias annahm â mit dem aristotelischen Gott zu identifizieren sei. Er meint, die tĂ€tige Vernunft sei vielmehr in einem bestimmten transzendenten, noetischen Bereich angesiedelt, der Gott untergeordnet und der SphĂ€re des individuellen Daseins der Menschen ĂŒbergeordnet sei. Die tĂ€tige Vernunft manifestiere sich dank ihrer Verbindung mit der ihr untergeordneten âmöglichen Vernunftâ, zu der sie sich wie Form zu Materie verhalte, in der menschlichen Seele. Sowohl die tĂ€tige als auch die mögliche Vernunft könnten vom Körper des Menschen abgetrennt werden; nur aus ihnen bestehe die unsterbliche Seele. Daneben gebe es noch eine dritte, passive Vernunft (pathÄtikĂłs noĂșs), die untrennbar mit dem Körper verbunden und somit vergĂ€nglich sei. Sie sei fĂŒr das GedĂ€chtnis, die GemĂŒtsbewegungen und das diskursive Denken zustĂ€ndig. Nach dem Tod gebe es aus aristotelischer Sicht keine Erinnerung an die zu Lebzeiten gegebene VerknĂŒpfung der tĂ€tigen und der möglichen Vernunft mit der passiven Vernunft, die mit dem Körper untergegangen sei. Diese Interpretation der aristotelischen Intellektlehre gibt die Position des Aristoteles nicht getreu wieder, sondern prĂ€sentiert sie in einer unter dem Einfluss der neuplatonischen Denkweise etwas modifizierten Gestalt.cite-ref-57[57]
Themistios teilt die ablehnende Haltung des Aristoteles gegenĂŒber der Ideenlehre Platons, indem er eine eigenstĂ€ndige Existenz der Ideen auĂerhalb der Sinnesobjekte verwirft. Andererseits billigt er die in seiner Zeit verbreitete Annahme, dass die immateriellen Formen im göttlichen Intellekt zu lokalisieren sind.cite-ref-58[58] Er glaubt wie Aristoteles, dass der göttliche Intellekt nichts erfasst, was auĂerhalb von ihm ist. Im Gegensatz zu Aristoteles nimmt er aber an, dass der göttliche Intellekt auch die intelligiblen Objekte erfasst, denn diese seien innerhalb von ihm. Dieses Erfassen betreffe nicht die Einzeldinge in ihrer Separatheit, sondern sei als gesamthaftes zu verstehen.cite-ref-59[59]
Logik
Traditionell wurden nur die Modi der ersten Schlussfigur der aristotelischen Syllogistik als vollkommen betrachtet und die Modi der anderen Figuren wurden auf sie zurĂŒckgefĂŒhrt. Der Neuplatoniker Maximos von Ephesos, ein Zeitgenosse des Themistios, vertrat dagegen die Auffassung, alle Syllogismen seien vollkommen und trĂŒgen ihren GĂŒltigkeitsgrund in sich. Da die Modi der ersten, von Aristoteles als alleinig vollkommen betrachteten Figur nicht der GĂŒltigkeitsgrund fĂŒr die anderen Modi seien, sei deren herkömmliche Reduktion auf einen Modus der ersten Figur ĂŒberflĂŒssig. Dem widersprach Themistios in einer Schrift, die nur in arabischer Ăbersetzung ĂŒberliefert ist und in der Forschungsliteratur unter dem französischen Titel TraitĂ© (Traktat) zitiert wird.cite-ref-60[60] Themistios war ein AnhĂ€nger der von Alexander von Aphrodisias vertretenen Theorie der Figurenentstehung. Sie besagt, dass die zweite und die dritte Figur durch Konversion einer PrĂ€misse aus der ersten Figur entstanden sind. Dabei seien die Eigenschaften der Modi der ersten Figur auf die Modi der anderen Figuren ĂŒbertragen worden; die erste Figur habe die beiden anderen Figuren âerzeugtâ. FĂŒr den GĂŒltigkeitsbeweis sei in umgekehrter Richtung zum Prozess der Figurenentstehung vorzugehen. Themistios vertrat diese Theorie aber nicht in ihrer ursprĂŒnglichen Fassung, wonach alle hergeleiteten Modi durch Konversion einer PrĂ€misse der Grundmodi gewonnen sind, sondern in einer modifizierten Variante, wonach nur die Figuren, nicht aber ihre einzelnen Modi durch PrĂ€missenkonversion entstanden sind.cite-ref-61[61]
Rezeption
SpÀtantike
Nach dem Urteil des Zeitgenossen Libanios war Themistios nicht nur ein hervorragender Redner, sondern auch âder beste der Philosophenâ.cite-ref-62[62] Libanios verglich ihn mit Demosthenes und nannte ihn einen zweiten Platon. Kaiser Julian lieĂ sich als Redner von seinen Reden inspirieren. Die zehn Gesandtschaften, mit denen ihn der Senat beauftragte, und zwei Statuen, die ihm auf kaiserliche Anweisung errichtet wurden, zeugen von seinem Ruhm.
Hohe WertschĂ€tzung fand Themistios auch bei Christen. Von seinem Ansehen in christlichen Kreisen zeugen an ihn gerichtete Briefe des Kirchenvaters Gregor von Nazianz, der sich als seinen Freund bezeichnet. Gregor nennt ihn den âgroĂen Themistiosâ, âKönig der Worteâ und einen tĂŒchtigen Philosophen.cite-ref-63[63] Im 5. Jahrhundert gaben die Kirchengeschichtsschreiber Sozomenos und Sokrates ihre WertschĂ€tzung fĂŒr den mĂ€Ăigenden Einfluss des paganen Redners am Kaiserhof zu erkennen.cite-ref-64[64]
Die von Themistios befĂŒrwortete Politik des Ausgleichs mit feindlichen Fremdvölkern stieĂ allerdings auf Widerspruch; eine abfĂ€llige Bemerkung des paganen Geschichtsschreibers Ammianus Marcellinus ĂŒber âgelehrte Schmeichlerâ, die Kaiser Valens zu angeblich weitsichtigen, in Wirklichkeit verhĂ€ngnisvollen Konzessionen an die Goten bewogen hĂ€tten, dĂŒrfte sich auf Themistios beziehen.cite-ref-65[65]
Stark war die Nachwirkung der Aristoteles-Paraphrasen, vor allem der Paraphrase von De anima. Vettius Agorius Praetextatus, ein Zeitgenosse des Themistios, erstellte â wie Boethius berichtet â seine lateinische Fassung der Ersten und der Zweiten Analytiken nicht nach dem Originaltext des Aristoteles, sondern nach Themistiosâ Paraphrasen; diese Ăbersetzung wurde aber nicht ins Mittelalter gerettet. Die spĂ€tantiken Aristoteles-Kommentatoren Simplikios, Boethius und Johannes Philoponos gehörten zu den Benutzern von Paraphrasen des Themistios. Der Verfasser der sehr beliebten, fĂ€lschlich Augustinus zugeschriebenen Schrift De decem categoriis (Pseudo-Augustinus) stĂŒtzte sich auf die Kategorien-Paraphrase.
Mittelalter
Im Byzantinischen Reich fand im 9. Jahrhundert Photios lobende Worte fĂŒr den Stil des Themistios. Deutlicher als in der mittelalterlichen byzantinischen Literatur ist die Themistios-Rezeption in der islamischen Welt erkennbar. Die Paraphrasen der Analytica priora und Analytica posteriora, der Physik, des zwölften Buchs der Metaphysik, der Kategorien, der Topik sowie von De anima und De caelo wurden ins Arabische ĂŒbersetzt.cite-ref-66[66] Im 11. Jahrhundert stimmte Avicenna der Auffassung des Themistios ĂŒber die Erfassung der intelligiblen Objekte durch den göttlichen Intellekt zu.cite-ref-67[67] Im 12. Jahrhundert zitierte der einflussreiche Aristoteles-Kommentator Averroes arabische Paraphrasen-Ăbersetzungen. In seinem groĂen Kommentar zu De anima machte er ausgiebig von der Paraphrase dieser Schrift Gebrauch. Er sah in Themistios einen frĂŒhen Vertreter seiner eigenen Intellektlehre, kritisierte allerdings dessen Auffassung vom göttlichen Intellekt, insoweit sie von der des Aristoteles abweicht.cite-ref-68[68] Die Themistios-Zitate in Aristoteles-Kommentaren des Averroes, die ins Lateinische ĂŒbersetzt wurden, waren eine Hauptquelle fĂŒr die Kenntnis der Ansichten des spĂ€tantiken Philosophen in der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters.
Auf der Grundlage arabischer Ăbersetzungen wurden im 13. Jahrhundert zwei Paraphrasen ins HebrĂ€ische ĂŒbertragen: Moses ibn Tibbon ĂŒbersetzte 1255 die Paraphrase des zwölften Buches der Metaphysik,cite-ref-69[69] Zerahjah ben Isaak 1284 die Paraphrase von De caelo. Im 14. Jahrhundert ĂŒbersetzte Todros Todrosi AuszĂŒge aus der Paraphrase der Analytica priora ins HebrĂ€ische und fĂŒgte sie in seine philosophische Anthologie ein.
Gerhard von Cremona ĂŒbersetzte im 12. Jahrhundert die Paraphrase der Analytica posteriora aus dem Arabischen ins Lateinische. Zu den Benutzern seiner Ăbersetzung zĂ€hlten Robert Grosseteste und Albert der GroĂe. Die Paraphrase zu De anima wurde erst 1267 von Wilhelm von Moerbeke aus dem Griechischen ins Lateinische ĂŒbersetzt. Moerbeke stellte seine Ăbersetzung Thomas von Aquin zur VerfĂŒgung, der sie in seiner Streitschrift âĂber die Einheit des Intellekts gegen die Averroistenâ und in seinem Kommentar zu De anima ausgiebig zitierte.cite-ref-70[70] Thomas nutzte seine Kenntnis der Paraphrase zur Untermauerung seiner These, Averroes habe das aristotelische Konzept des Intellekts falsch ausgelegt; er behauptete, Averroes habe Themistios missverstanden. Zahlreiche spĂ€tmittelalterliche Scholastiker nahmen auf Themistiosâ Interpretation der aristotelischen Seelenlehre Bezug.cite-ref-71[71] Zu ihnen gehören Heinrich Bate, Jakob von Viterbo und Siger von Brabant. Siger entdeckte in der Paraphrase von De anima einen hilfreichen Zugang zum Denken des Aristoteles.cite-ref-72[72]
Neuzeit
Schon im 15. Jahrhundert zirkulierten Abschriften von Paraphrasen des Themistios in humanistischen Kreisen, doch gab es noch keine Drucke. Im spĂ€ten 15. Jahrhundert fertigte der berĂŒhmte Humanist Ermolao Barbaro eine lateinische Ăbersetzung der Paraphrasen an, die erstmals 1481 in Treviso gedruckt wurde. Sie war sehr erfolgreich; im 16. Jahrhundert folgten zahlreiche weitere Ausgaben. 1534 erschien in Venedig die erste griechische Ausgabe der Werke des Themistios; Vettore (Victor) Trincavelli brachte sie als Aldine heraus. Sie enthĂ€lt die im griechischen Original erhaltenen Aristoteles-Paraphrasen sowie acht Reden.cite-ref-73[73] Trincavellis Ausgabe der Paraphrasen wurde erst 1866 durch eine neue Edition ersetzt. Auch die beiden nur hebrĂ€isch ĂŒberlieferten Paraphrasen wurden im 16. Jahrhundert in lateinischen Ăbersetzungen zugĂ€nglich: MosĂš Finzi (Finzius) ĂŒbersetzte die Paraphrase zum zwölften Buch der Metaphysik (gedruckt in Venedig 1558), MosĂš Alatino die Paraphrase zu De caelo (gedruckt in Venedig 1574).
Eine lateinische Ăbersetzung der acht von Trincavelli herausgegebenen Reden, angefertigt von Girolamo Donzellini (Hieronymus Donzellinus), wurde 1559 in Basel veröffentlicht. Diese acht sowie sechs weitere Reden edierte Henri Estienne (Henricus Stephanus) im griechischen Original in Paris 1562. 1684 brachte Jean Hardouin in Paris eine Gesamtausgabe der Reden mit lateinischer Ăbersetzung heraus; es fehlten allerdings die 34. Rede und die Vorbemerkung (theoria) zur 20. Rede, die erst im 19. Jahrhundert entdeckt wurden.
FĂŒr die Entwicklung des Aristotelismus in der italienischen Renaissance spielten die Paraphrasen des Themistios eine wichtige Rolle. In den Debatten ĂŒber die individuelle Unsterblichkeit der Seele und die Einheit des Intellekts ging man auf seine Seelen- und Intellektlehre ein. Zu den Denkern, die sich damit auseinandersetzten, gehören Nicoletto Vernia, Agostino Nifo, Pier Nicola Castellani, Pietro Pomponazzi und Cristoforo Marcello.cite-ref-74[74] Galilei befasste sich mit der Physik-Paraphrase, die er in Barbaros lateinischer Ăbersetzung las.
Die Urteile ĂŒber Themistios fielen in der FrĂŒhen Neuzeit unterschiedlich aus. Isaac Casaubon war von den Reden begeistert; er schrieb 1609 in einem Brief, sie seien sehr schön und sehr elegant.cite-ref-75[75] Leibniz zitierte Themistios, ohne ihn namentlich zu nennen; er machte sich den Philanthropiegedanken des antiken Redners zu eigen, das Konzept einer generell menschenfreundlichen Gesinnung, die nicht nur Angehörigen des eigenen Volkes zugutekommt.cite-ref-76[76] Ein vernichtendes Urteil fĂ€llte hingegen im 18. Jahrhundert der Philologe Johann Jakob Reiske. Er bezeichnete Themistios als Schmeichler und eitlen SchwĂ€tzer, der in allen Reden weitgehend das gleiche vorgebracht habe.cite-ref-77[77]
Auch in der Moderne haben manche Gelehrte Themistios als opportunistischen Lobredner ohne philosophisches Format eingeschĂ€tzt.cite-ref-78[78] Andere Forscher streben ein ausgewogeneres Urteil an; so weist John Vanderspoel auf das spĂ€tantike VerstĂ€ndnis der Funktion von Panegyrik und auf eine didaktische Absicht des Redners hin.cite-ref-79[79] Peter Heather und David Moncur konstatieren seine Wendigkeit und AnpassungsfĂ€higkeit, die durchaus einen âschamlosâ opportunistischen Zug aufweise, sehen ihn aber auch als auĂergewöhnlich geschickten Konsensbauer und âSpindoctorâ und billigen ihm zu, dass sein Toleranzideal einer echten persönlichen Ăberzeugung entsprochen habe.cite-ref-80[80]
Nachdem Angelo Mai die 34. Rede entdeckt und 1816 ediert hatte, veröffentlichte Giacomo Leopardi 1821 einen Aufsatz, in dem er das von Themistios vertretene Philanthropie-Konzept kritisch interpretierte.cite-ref-81[81]
1832 brachte Wilhelm Dindorf in Leipzig die erste moderne Ausgabe aller Reden heraus, 1866 Leonhard Spengel die erste moderne Ausgabe der Paraphrasen.
Henrik Ibsen lĂ€sst in seinem 1903 uraufgefĂŒhrten Drama Kaiser und GalilĂ€er, das vom Leben und Tod Kaiser Julians handelt, Themistios als Redner âThemisteosâ auftreten.
Textausgaben
Reden
âą Heinrich Schenkl, Glanville Downey, Albert Francis Norman (Hrsg.): Themistii orationes quae supersunt. 3 BĂ€nde, Teubner, Leipzig 1965â1974 (Edition der Reden; Band 3 enthĂ€lt Fragmente verlorener Werke sowie den syrischen Text von âĂber die Tugendâ und den arabischen von âĂber die Regierung des Staatesâ. Vgl. zum ersten Band die sehr kritische Rezension von GĂŒnther Christian Hansen in Gnomon Bd. 38, 1966, S. 662â666).
âą Ausgabe in der Collection BudĂ© (historisch-kritische Ausgabe mit französische Ăbersetzung).
âą Omer BallĂ©riaux, Jacques Schamp (Hrsg.): ThĂ©mistios. Band 1: Discours IâIV. Les hĂ©ritiers de Constantin (= Collection BudĂ©. SĂ©rie grecque. Band 567). Les Belles Lettres, Paris 2022, ISBN 978-2-251-00651-2.
âą Jacques Schamp (Hrsg.): ThĂ©mistios. Band 2: Discours VâXIII. Les empereurs illyrien et pannonien (= Collection BudĂ©. SĂ©rie grecque. Band 570). Les Belles Lettres, Paris 2023, ISBN 978-2-251-00655-0.
âą Jacques Schamp (Hrsg.): ThĂ©mistios. Band 3: Discours XIVâXIX. Lâempereur Espagnol (= Collection BudĂ©. SĂ©rie grecque. Band 572). Les Belles Lettres, Paris 2023, ISBN 978-2-251-00658-1.
Aristoteles-Paraphrasen
âą Max Wallies (Hrsg.): Themistii analyticorum posteriorum paraphrasis (= Commentaria in Aristotelem Graeca. Band 5, Teil 1). Georg Reimer, Berlin 1900 (kritische Ausgabe; Digitalisat).
âą Richard Heinze (Hrsg.): Themistii in libros Aristotelis de anima paraphrasis (= Commentaria in Aristotelem Graeca. Band 5, Teil 3). Georg Reimer, Berlin 1899 (kritische Ausgabe).
âą Heinrich Schenkl (Hrsg.): Themistii in Aristotelis physica paraphrasis (= Commentaria in Aristotelem Graeca. Band 5, Teil 2). Georg Reimer, Berlin 1900 (kritische Ausgabe).
Fragment âAn den Kaiserâ
âą Eugenio Amato, Ilaria Ramelli (Hrsg.): Lâinedito Î ÏáœžÏ ÎČαÏÎčλÎα di Temistio. In: Byzantinische Zeitschrift. Band 99, 2006, S. 1â67 (kritische Edition, italienische Ăbersetzung und ausfĂŒhrliche Untersuchung).
Mittelalterliche und frĂŒhneuzeitliche Ăbersetzungen
Arabisch
âą Aburraáž„mÄn Badawi (Hrsg.): ArisáčĆ« Êżind al ÊżArab: DirÄsa wa-nuáčŁĆ«áčŁ gair manĆĄĆ«ra. Band 1, Kairo 1947, S. 309â325 (arabische Fassung der Abhandlung ĂŒber die Syllogistik).
âą Malcolm Cameron Lyons (Hrsg.): An Arabic Translation of Themistius Commentary on Aristoteles De anima. University of South Carolina Press, Columbia (South Carolina) 1973 (kritische Edition).
HebrÀisch
âą Samuel Landauer (Hrsg.): Themistii in libros Aristotelis de caelo paraphrasis (= Commentaria in Aristotelem Graeca. Band 5, Teil 4). Georg Reimer, Berlin 1902 (kritische Ausgabe des hebrĂ€ischen Textes und seiner lateinischen Ăbersetzung von MosĂš Alatino; online).
âą Samuel Landauer (Hrsg.): Themistii in Aristotelis metaphysicorum librum Î paraphrasis (= Commentaria in Aristotelem Graeca. Band 5, Teil 5). Georg Reimer, Berlin 1903 (kritische Ausgabe des hebrĂ€ischen Textes und seiner lateinischen Ăbersetzung von MosĂš Finzi).
âą Shalom Rosenberg, Charles Manekin (Hrsg.): Japheth in the Tents of Shem: Themistiusâ Commentary on the Analytica priora. In: Mosheh Idel (Hrsg.): SÄfer hay-yĂŽvÄl li-Ć elomo PĂźnes bi-melÄâat lĂŽ ĆĄemĂŽnĂźm ĆĄÄnÄ. Band 2, Jerusalem 1990, S. 267â274.
Lateinisch (mittelalterlich)
âą Gerard Verbeke (Hrsg.): ThĂ©mistius: Commentaire sur le traitĂ© de lâĂąme dâAristote (= Corpus Latinum commentariorum in Aristotelem Graecorum Bd. 1). Brill, Leiden 1973 (kritische Edition der lateinischen Ăbersetzung von Wilhelm von Moerbeke).
âą James Reginald OâDonnell (Hrsg.): Themistiusâ Paraphrasis of the Posterior Analytics in Gerard of Cremonaâs Translation. In: Mediaeval Studies 20, 1958, S. 239â315 (kritische Edition der lateinischen Ăbersetzung von Gerhard von Cremona).
Lateinisch (Renaissance)
âą Charles Lohr (Hrsg.): Themistii libri paraphraseos ⊠Interprete Hermolao Barbaro (= Commentaria in Aristotelem Graeca, Versiones Latinae. Band 18). Minerva, Frankfurt a. M. 1978 (Neudruck der Ausgabe Venedig 1499 mit EinfĂŒhrung des Herausgebers Lohr).
âą Die humanistischen lateinischen Ăbersetzungen von hebrĂ€ischen Fassungen der Paraphrasen sind zusammen mit den hebrĂ€ischen Texten ediert, siehe oben unter âHebrĂ€ischâ.
Moderne Ăbersetzungen
Deutsch
âą Johann Gildemeister, Franz BĂŒcheler: Themistios ΠΔÏ᜶ áŒÏΔÏáżÏ. In: Rheinisches Museum fĂŒr Philologie. Band 27, 1872, S. 438â462.
âą Hartmut Leppin, Werner Portmann (Ăbers.): Themistios: Staatsreden (= Bibliothek der griechischen Literatur. Band 46). Hiersemann, Stuttgart 1998, ISBN 3-7772-9809-3.
âą Hugo Schneider (Hrsg.): Die 34. Rede des Themistios. Keller, Winterthur 1966 (griechischer Text und Ăbersetzung der Rede mit Einleitung und Kommentar).
Englisch
âą Peter J. Heather, David Moncur (Ăbers.): Politics, philosophy, and empire in the fourth century. Select orations of Themistius (= Translated Texts for Historians. Band 36). Liverpool University Press, Liverpool 2001, ISBN 0-85323-106-0.
âą Robert J. Penella (Ăbers.): The Private Orations of Themistius. University of California Press, Berkeley 2000, ISBN 0-520-21821-3.
âą Alberto Rigolio (Ăbers.): Themistius: On Virtue. In: James Wilberding, Julia Trompeter, Alberto Rigolio (Ăbers.): Michael of Ephesus: On Aristotle, Nicomachean Ethics 10, with Themistius, On Virtue. Bloomsbury Academic, London u. a. 2019, ISBN 978-1-350-08507-7, S. 207â276.
âą Shalom Rosenberg, Charles Manekin (Ăbers.): Themistius on Modal Logic. Excerpts from a commentary on the prior analytics attributed to Themistius. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. Band 11, 1988, S. 83â103.
âą Simon Swain: Themistius and Valens. Orations 6â13 (= Translated Texts for Historians. Band 78). Liverpool University Press, Liverpool 2021, ISBN 978-1-80085-677-6.
âą Robert B. Todd (Ăbers.): Themistius: On Aristotle, On the Soul. Duckworth, London 1996, ISBN 0-7156-2659-0.
âą Robert B. Todd (Ăbers.): Themistius: On Aristotle, Physics 1â3. Bloomsbury, London 2012, ISBN 978-0-7156-3922-1
âą Robert B. Todd (Ăbers.): Themistius: On Aristotle, Physics 4. Duckworth, London 2003, ISBN 0-7156-3199-3.
âą Robert B. Todd (Ăbers.): Themistius: On Aristotle, Physics 5â8. Duckworth, London 2008, ISBN 978-0-7156-3664-0.
Französisch
âą Aburraáž„mÄn Badawi: TraitĂ© de ThĂ©mistius en rĂ©ponse Ă Maxime au sujet de la rĂ©duction de la deuxiĂšme et la troisiĂšme figures Ă la premiĂšre. In: Aburraáž„mÄn Badawi: La transmission de la philosophie grecque au monde arabe. 2. Auflage. Vrin, Paris 1987, ISBN 2-7116-0047-5, S. 180â194 (französische Ăbersetzung der mittelalterlichen arabischen Ăbersetzung des im griechischen Originaltext nicht erhaltenen Werks ĂŒber Syllogistik).
âą RĂ©mi Brague: ThĂ©mistius: Paraphrase de la MĂ©taphysique dâAristote (livre Lambda). Vrin, Paris 1999, ISBN 2-7116-1411-5.
Hilfsmittel
âą Antonio Garzya: In Themistii orationes index auctus. Bibliopolis, Napoli 1989, ISBN 88-7088-221-7.
Literatur
Ăbersichtsdarstellungen in HandbĂŒchern
âą Inna Kupreeva: Themistius. In: Lloyd P. Gerson (Hrsg.): The Cambridge History of Philosophy in Late Antiquity. Band 1, Cambridge University Press, Cambridge 2010, ISBN 978-0-521-76440-7, S. 397â416
âą Jacques Schamp, Robert B. Todd, John Watt: ThĂ©mistios. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 6, CNRS Ăditions, Paris 2016, ISBN 978-2-271-08989-2, S. 850â900
âą Michael Schramm: Themistios. In: Christoph Riedweg u. a. (Hrsg.): Philosophie der Kaiserzeit und der SpĂ€tantike (= Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike. Band 5/1). Schwabe, Basel 2018, ISBN 978-3-7965-3698-4, S. 406â427, 451â455
âą ElĆŒbieta Szabat: Themistios. In: PaweĆ Janiszewski, Krystyna Stebnicka, ElĆŒbieta Szabat: Prosopography of Greek Rhetors and Sophists of the Roman Empire. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-871340-1, S. 353â356
âą Robert B. Todd: Themistius. In: Virginia Brown (Hrsg.): Catalogus translationum et commentariorum: Mediaeval and Renaissance Latin Translations and Commentaries. The Catholic University of America Press, Washington (D.C.) 2003, ISBN 0-8132-1300-2, S. 57â102.
Untersuchungen
âą Elisa Coda: Themistius and Aristotle: teaching philosophy from late antiquity to the Middle Ages. (= Philosophy in the Abrahamic traditions of the Middle Ages, 6). Brepols, Turnhout 2024, ISBN 9782503581644. â Rezension von Yoav Meyrav, Bryn Mawr Classical Review 2025.09.36
âą Bruno Colpi: Die ÏαÎčΎΔία des Themistios. Ein Beitrag zur Geschichte der Bildung im vierten Jahrhundert nach Christus. Peter Lang, Bern 1987, ISBN 3-261-03699-0.
âą Robert Malcolm Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904.
âą Thomas Gerhardt: Philosophie und Herrschertum aus der Sicht des Themistios. In: Andreas Goltz u. a. (Hrsg.): Gelehrte in der Antike. Böhlau, Köln 2002, ISBN 3-412-02802-9, S. 187â218.
âą Peter J. Heather: Themistius: A political philosopher. In: Mary Whitby (Hrsg.): The Propaganda of Power. The Role of Panegyric in Late Antiquity. Brill, Leiden 1998, S. 125â150.
âą John Vanderspoel: Themistius and the Imperial Court. The University of Michigan Press, Ann Arbor 1995, ISBN 0-472-10485-3 (Rezension von Tim Hegedus).
Weblinks
âą Literatur von und ĂŒber Themistios im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Werke von und ĂŒber Themistios in der Deutschen Digitalen Bibliothek
âą Themistiosâ Paraphrase von De anima (lateinische Ăbersetzung von Wilhelm von Moerbeke, Auszug)
Anmerkungen
cite-note-11. â Zum Geburtsort siehe James G. Smeal: Themistios: the twenty-third Oration, Dissertation Nashville (Tennessee) 1989, S. 6 f. und Anm. 27; John Vanderspoel: Themistius and the Imperial Court, Ann Arbor 1995, S. 31 f.
cite-note-22. â Zu Eugenios siehe Omer BallĂ©riaux: EugĂ©nios, pĂšre de ThĂ©mistios et philosophe nĂ©oplatonicien. In: LâAntiquitĂ© Classique 65, 1996, S. 135â160; Omer BallĂ©riaux: EugĂ©nios. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Band 3, Paris 2000, S. 306 f.
cite-note-33. â Die Deutung der einschlĂ€gigen Quellenaussage ist unsicher, siehe James G. Smeal: Themistios: the twenty-third Oration, Dissertation Nashville (Tennessee) 1989, S. 8 Anm. 34.
cite-note-44. â ĂuĂerungen des Themistios ĂŒber seine mangelnden Lateinkenntnisse sind nicht so zu deuten, dass er ĂŒberhaupt kein Latein verstand; siehe dazu Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: S. 866 f. Anm. 23, S. 879 f. und Anm. 96.
cite-note-erste-rede-55. â Der Zeitpunkt der Rede ist umstritten; ob sie dem Kaiser tatsĂ€chlich persönlich vorgetragen wurde, ist unklar. Siehe dazu Werner Portmann: Zum Datum der ersten Rede des Themistius. In: Klio 74, 1992, S. 411â421 (fĂŒr das Jahr 351); Hartmut Leppin, Werner Portmann (Ăbersetzer): Themistios: Staatsreden, Stuttgart 1998, S. 27 f.; Robert Malcolm Errington: The Date of Themistiusâ First Speech. In: Klio 83, 2001, S. 161â166 (fĂŒr das Jahr 350); vgl. aber die Gegenargumente von Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 69â71.
cite-note-66. â Zum Hintergrund siehe Jorit Wintjes: Zur Datierung von Themistius or. 4. In: Byzantinische Zeitschrift 96, 2003, S. 703â708, hier: 703 f.
cite-note-77. â Zur umstrittenen Frage des Anlasses der Rede siehe Hartmut Leppin, Werner Portmann (Ăbersetzer): Themistios: Staatsreden, Stuttgart 1998, S. 68 f.; Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 871 f.
cite-note-88. â Siehe dazu Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 872.
cite-note-99. â Themistios, Rede 34,13. Siehe dazu Robert J. Penella (Ăbersetzer): The Private Orations of Themistius, Berkeley 2000, S. 219 Anm. 19; Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 872.
cite-note-1010. â Siehe dazu Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: S. 865 und Anm. 18.
cite-note-1111. â Jorit Wintjes: Das Leben des Libanius, Rahden 2005, S. 141â143.
cite-note-1212. â Siehe dazu Lawrence J. Daly: Themistiusâ Refusal of a Magistracy. In: Byzantion 53, 1983, S. 164â212; Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 872; Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 45 f. und Anm. 8 und 9.
cite-note-1313. â Siehe dazu Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 101â107.
cite-note-1414. â Zur Datierung John Vanderspoel: Themistius and the Imperial Court, Ann Arbor 1995, S. 110 f.
cite-note-1515. â Siehe dazu Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: S. 868 und Anm. 29; Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 139 und Anm. 7.
cite-note-1616. â Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 138â142; Lawrence J. Daly: âIn a borderlandâ: Themistiusâ ambivalence toward Julian. In: Byzantinische Zeitschrift 73, 1980, S. 1â11.
cite-note-1717. â Zu diesem nicht erhaltenen Panegyrikus und seiner Datierung siehe Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 873, 897â899.
cite-note-1818. â Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 874.
cite-note-1919. â Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: S. 875 f., S. 883 Anm. 113; anders urteilen Hartmut Leppin, Werner Portmann (Ăbersetzer): Themistios: Staatsreden, Stuttgart 1998, S. 101 Anm. 6. Der topische Charakter solcher Klagen ist zu beachten, siehe Thomas Gerhardt: Philosophie und Herrschertum aus der Sicht des Themistios. In: Andreas Goltz u. a. (Hrsg.): Gelehrte in der Antike, Köln 2002, S. 187â218, hier: 198.
cite-note-2020. â Themistios, Rede 8,8; vgl. 10,2.
cite-note-2121. â Siehe dazu Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: S. 878 und Anm. 91.
cite-note-2222. â Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 889â893.
cite-note-2323. â Robert Malcolm Errington: Church and State in the First Years of Theodosius I. In: Chiron 27, 1997, S. 21â72, hier: S. 28 Anm. 38.
cite-note-2424. â Themistios, Rede 8,17â20.
cite-note-2525. â Zu den Einzelheiten siehe Robert Malcolm Errington: Theodosius and the Goths. In: Chiron 26, 1996, S. 1â27, hier: 14â22.
cite-note-2626. â Zur umstrittenen Datierung des Amtsantritts siehe Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: S. 894 f. Anm. 175. Entgegen der in der Forschung vorherrschenden Ansicht, wonach Themistios das Amt nur einmal (unter Theodosius) ausĂŒbte, hat Thomas Brauch wiederholt seine Hypothese vorgetragen, wonach der Redner schon in den sechziger Jahren StadtprĂ€fekt gewesen war. Siehe Thomas Brauch: Patristic and Byzantine Witness to an Urban Prefectship of Themistius under Valens. In: Byzantion 71, 2001, S. 325â382.
cite-note-2727. â Kevin Wilkinson: Palladas and the Age of Constantine. In: The Journal of Roman Studies 99, 2009, S. 36â60.
cite-note-2828. â Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 286â298.
cite-note-2929. â Beispiele bei Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 144 f., 208 f.
cite-note-3030. â Zur Datierung Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: S. 868 Anm. 31.
cite-note-3131. â Zur Datierung siehe Jorit Wintjes: Zur Datierung von Themistius or. 4. In: Byzantinische Zeitschrift 96, 2003, S. 703â708.
cite-note-3232. â Zur Wiederholung siehe Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 874 f.
cite-note-3333. â Siehe dazu Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 880 f.
cite-note-3434. â Siehe dazu Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 881â883.
cite-note-3535. â Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: S. 885 Anm. 128 weist diese Ansicht zurĂŒck; ebenso urteilen auch Hartmut Leppin, Werner Portmann (Ăbersetzer): Themistios: Staatsreden, Stuttgart 1998, S. 173 und Anm. 4.
cite-note-3636. â Zur Datierung Hartmut Leppin, Werner Portmann (Ăbersetzer): Themistios: Staatsreden, Stuttgart 1998, S. 184; Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 887, 902â904 (plĂ€diert fĂŒr Februar/MĂ€rz 370).
cite-note-3737. â Siehe dazu Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 889â891; Hartmut Leppin, Werner Portmann (Ăbersetzer): Themistios: Staatsreden, Stuttgart 1998, S. 214â216.
cite-note-3838. â Zum Hintergrund siehe Robert Malcolm Errington: Theodosius and the Goths. In: Chiron 26, 1996, S. 1â27, hier: 8 f.
cite-note-3939. â Siehe dazu Robert Malcolm Errington: Theodosius and the Goths. In: Chiron 26, 1996, S. 1â27, hier: 9â13.
cite-note-4040. â Robert Malcolm Errington: Theodosius and the Goths. In: Chiron 26, 1996, S. 1â27, hier: 14 f.
cite-note-4141. â Zur Datierung siehe Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 895 f.; Hartmut Leppin, Werner Portmann (Ăbersetzer): Themistios: Staatsreden, Stuttgart 1998, S. 288 f.
cite-note-4242. â Zur Datierung siehe Robert M. Errington: Themistius and His Emperors. In: Chiron 30, 2000, S. 861â904, hier: 897; Hartmut Leppin, Werner Portmann (Ăbersetzer): Themistios: Staatsreden, Stuttgart 1998, S. 301.
cite-note-4343. â Siehe dazu John Vanderspoel: The âThemistius Collectionâ of Commentaries on Plato and Aristotle. In: Phoenix 43, 1989, S. 162â164.
cite-note-4444. â Henry J. Blumenthal: Photius on Themistius (Cod. 74): Did Themistius write Commentaries on Aristotle? In: Hermes 107, 1979, S. 168â182; John Vanderspoel: Themistius and the Imperial Court, Ann Arbor 1995, S. 226 f.
cite-note-4545. â Zum mutmaĂlichen EmpfĂ€nger siehe Eugenio Amato, Ilaria Ramelli (Hrsg.): Lâinedito Î ÏáœžÏ ÎČαÏÎčλÎα di Temistio. In: Byzantinische Zeitschrift 99, 2006, S. 1â67, hier: 60â65.
cite-note-4646. â Ediert in: Heinrich Schenkl, Glanville Downey, Albert Francis Norman (Hrsg.): Themistii orationes quae supersunt, Band 3, Leipzig 1974, S. 73â119. Zur Echtheit und zur Frage des EmpfĂ€ngers siehe Eugenio Amato, Ilaria Ramelli (Hrsg.): Lâinedito Î ÏáœžÏ ÎČαÏÎčλÎα di Temistio. In: Byzantinische Zeitschrift 99, 2006, S. 1â67, hier: 45â60.
cite-note-4747. â Siehe dazu John N. Mattock: The supposed Epitome by Themistius of Aristotleâs Zoological Works. In: Albert Dietrich (Hrsg.): Akten des VII. Kongresses fĂŒr Arabistik und Islamwissenschaft, Göttingen 1976, S. 260â267.
cite-note-4848. â Henry J. Blumenthal: Themistius: the last Peripatetic commentator on Aristotle? In: Richard Sorabji (Hrsg.): Aristotle Transformed. The Ancient Commentators and Their Influence, 2., ĂŒberarbeitete Auflage, London 2016, S. 119â131 (vgl. S. XVIIâXIX); Guy Guldentops: Themistius on Evil. In: Phronesis 46, 2001, S. 189â208; GĂ©rard Verbeke: Themistius. In: Dictionary of Scientific Biography, Bd. 13, New York 1981, S. 307â309, hier: 307.
cite-note-4949. â Omer BallĂ©riaux: ThĂ©mistius et le nĂ©oplatonisme. In: Revue de Philosophie Ancienne 12, 1994, S. 171â200; Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 2 f.
cite-note-5050. â John Vanderspoel: Themistius and the Imperial Court, Ann Arbor 1995, S. 21.
cite-note-5151. â Dominic J. OâMeara: Platonopolis, Oxford 2003, S. 206â208.
cite-note-5252. â Dominic J. OâMeara: Platonopolis, Oxford 2003, S. 206.
cite-note-5454. â Themistios, Rede 5,9â12. Zum Hintergrund siehe Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 154â158; Lawrence J. Daly: Themistiusâ Plea for Religious Tolerance. In: Greek, Roman, and Byzantine Studies 12, 1971, S. 65â79.
cite-note-5555. â Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 201.
cite-note-5656. â Siehe dazu Guy Guldentops: Themistius on Evil. In: Phronesis 46, 2001, S. 189â208.
cite-note-5757. â Siehe dazu Frederic M. Schroeder, Robert B. Todd: Two Greek Aristotelian Commentators on the Intellect, Toronto 1990, S. 37â39; Omer BallĂ©riaux: ThĂ©mistius et le nĂ©oplatonisme. In: Revue de Philosophie Ancienne 12, 1994, S. 171â200, hier: 173â186.
cite-note-5858. â Guy Guldentops: La science suprĂȘme selon ThĂ©mistius. In: Revue de Philosophie Ancienne 19, 2001, S. 99â120, hier: 110 f.
cite-note-5959. â Salomo Pines: Some distinctive metaphysical conceptions in Themistiusâ commentary on Book Lambda and their place in the history of philosophy. In: JĂŒrgen Wiesner (Hrsg.): Aristoteles. Werk und Wirkung, Bd. 2, Berlin 1987, S. 177â204, hier: 186â189.
cite-note-6060. â Tae-Soo Lee: Die griechische Tradition der aristotelischen Syllogistik in der SpĂ€tantike, Göttingen 1984, S. 127â132.
cite-note-6161. â Tae-Soo Lee: Die griechische Tradition der aristotelischen Syllogistik in der SpĂ€tantike, Göttingen 1984, S. 123.
cite-note-6262. â Libanios, Briefe 1186,2, hrsg. von Richard Foerster: Libanii opera, Bd. 11, Leipzig 1922, S. 271 f., hier: 272.
cite-note-6363. â Gregor von Nazianz, Briefe 24 und 38.
cite-note-6464. â Sozomenos, Kirchengeschichte 6,36,6â6,37,1. Zur sehr guten Meinung des Sokrates ĂŒber Themistios siehe Martin Wallraff: Der Kirchenhistoriker Sokrates, Göttingen 1997, S. 97.
cite-note-6565. â Ammianus Marcellinus 31,4,4; siehe dazu Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 201.
cite-note-6666. â Zu den arabischen Ăbersetzungen siehe Aburraáž„mÄn Badawi: La transmission de la philosophie grecque au monde arabe, Paris 1987, S. 115â117; Robert B. Todd: Themistius. In: Virginia Brown (Hrsg.): Catalogus translationum et commentariorum: Mediaeval and Renaissance Latin Translations and Commentaries, Bd. 8, Washington (D.C.) 2003, S. 57â102, hier: 60 f.
cite-note-6767. â Salomo Pines: Some distinctive metaphysical conceptions in Themistiusâ commentary on Book Lambda and their place in the history of philosophy. In: JĂŒrgen Wiesner (Hrsg.): Aristoteles. Werk und Wirkung, Bd. 2, Berlin 1987, S. 177â204, hier: 191â194.
cite-note-6868. â Salomo Pines: Some distinctive metaphysical conceptions in Themistiusâ commentary on Book Lambda and their place in the history of philosophy. In: JĂŒrgen Wiesner (Hrsg.): Aristoteles. Werk und Wirkung, Bd. 2, Berlin 1987, S. 177â204, hier: 194â196.
cite-note-6969. â Zur mittelalterlichen jĂŒdischen Rezeption dieser Ăbersetzung siehe RĂ©mi Brague (Ăbersetzer): ThĂ©mistius: Paraphrase de la MĂ©taphysique dâAristote (livre Lambda), Paris 1999, S. 30â33.
cite-note-7070. â Edmund B. Fryde: The âParaphraseâ by Themistios of Aristotleâs De Anima, and St Thomas Aquinas. In: The English Historical Review 109, 1994, S. 952â959.
cite-note-7171. â Siehe dazu Martin Grabmann: Mittelalterliche lateinische Ăbersetzungen von Schriften der Aristoteles-Kommentatoren Johannes Philoponos, Alexander von Aphrodisias und Themistios, MĂŒnchen 1929, S. 40 f., 66â68.
cite-note-7272. â Edward P. Mahoney: Themistius and the Agent Intellect in James of Viterbo and Other Thirteenth Century Philosophers. In: Augustiniana 23, 1973, S. 422â467, hier: 426, 438â441.
cite-note-7373. â Siehe zu dieser Ausgabe Martin Sicherl: Die griechischen Erstausgaben des Vettore Trincavelli, Paderborn 1993, S. 8â27.
cite-note-7474. â Zu Vernias und Nifos Themistios-Rezeption siehe Edward P. Mahoney: Neoplatonism, the Greek Commentators, and Renaissance Aristotelianism. In: Dominic J. OâMeara (Hrsg.): Neoplatonism and Christian Thought, Norfolk (Virginia) 1982, S. 169â177, hier: 170â173.
cite-note-7575. â Zitiert bei Heinrich Schenkl: BeitrĂ€ge zur Textgeschichte der Reden des Themistios, Wien 1919, S. 11.
cite-note-7676. â Siehe dazu Kurt Treu: Themistios und Leibniz. In: Philologus 112, 1968, S. 297â302.
cite-note-7777. â Zitiert bei Wilhelm Dindorf (Hrsg.): Themistii orationes ex codice Mediolanensi emendatae, Leipzig 1832, S. XII (online).
cite-note-7878. â Beispiele bei John Vanderspoel: Themistius and the Imperial Court, Ann Arbor 1995, S. 2 f.
cite-note-7979. â John Vanderspoel: Themistius and the Imperial Court, Ann Arbor 1995, S. 4 f.
cite-note-8080. â Peter Heather, David Moncur: Politics, Philosophy, and Empire in the Fourth Century, Liverpool 2001, S. 41 f.
cite-note-8181. â Zitiert bei Riccardo Maisano: Discorsi di Temistio, Torino 1995, S. 86. Siehe dazu Lawrence J. Daly: The Mandarin and the Barbarian: The Response of Themistius to the Gothic Challenge. In: Historia 21, 1972, S. 351â379, hier: S. 375 und Anm. 91.